MAREA- Training: Bildung im ländlichen Raum

Vom 18.10. – 22.10.2021 trafen sich die fünf Partnerorganisationen aus Deutschland, Italien, Kroatien, Belgien und Norwegen des MAREA- Projekts zum gemeinsamen Training. Zu Gast beim kroatischen Partner erfuhren die Teilnehmenden durch lokale Begegnungen, verschiedene Worksessions und durch den Besuch mehrerer potenzieller Lernorte mehr über nachhaltige Landwirtschaft und Architektur, Biodynamik sowie Öko- Tourismus und lernten die Strukturen vor Ort kennen.
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10.11.2021 / 16 Uhr
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Starkmacher

Biodiversität und Stabilität des Agrarökosystems

Begonnen hat das Training Dijana Fabjan, die zunächst eine Einführung zu den Begrifflichkeiten Nachhaltigkeit und Landwirtschaft gab. Es folgte ein Überblick über die Zahlen der kroatischen Landwirtschaft. Bevor sich die Teilnehmenden mit der organischen Landwirtschaft detaillierter auseinandersetzten, lichtete Dijana den Unterschied zwischen nachhaltiger Landwirtschaft und Landwirtschaftsproduktion. Ein starkes Zitat aus der Einführung, „Nachhaltige Landwirtschaft ist organisch, aber nicht alles Organische ist nachhaltig.“ sorgte für zustimmendes Nicken. Es wurde deutlich, dass es wünschenswert ist von einer linearen hin zu einer zirkulären Ökonomie zu gelangen, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu generieren. Dies bedeutet, dass Farmer:innen in Kroatien geschult und als Multiplikator:innen ausgebildet werden sollten. Dijana appellierte, dass es ein Muss ist die Landwirtschaft zu verändern. Möglicherweise kann Tradition in Kroatien als Innovation genutzt werden und bietet somit eine Chance Landwirtschaft neu zu denken. Im Anschluss an den Vortrag von Dijana Fabjan stellte Bodgan Sujica sich und seinen Garten vor. Das besondere an Bodgans Garten ist seine Vielfalt. Bogdan hat inmitten von einer durch die Monokultur von Maisfeldern geprägten Landschaft ein Biotop aufgebaut, indem mehr als hundert verschiedene Pflanzenarten vorkommen. Dank Bogdans akribischer Art und seinem angeeigneten Wissen organisiert und erneuert sich der Garten mittlerweile so gut wie selbst, da die Pflanzen miteinander interagieren. Bodgan erzählte den MAREA- Teilnehmenden über die verschiedenen Pflanzenarten, deren Eigenschaften und erklärt, welche Familien gut oder weniger gut miteinander agieren. Jede Pflanze hat unterschiedliche Anforderungen an ihre Umwelt, gibt dementsprechend aber auch andere Eigenschaften zurück. Das Ziel von Bogdan ist es, diese bestmöglich aufeinander abzustimmen. Relevant hierbei ist zudem die Wechselwirkung von Wasser, Sonne und Nährstoffen für die Pflanzen. Die Relevanz von Biodiversität wurde durch den Input von Bodgan zunächst in Worten erkennbar. Besonders eindrücklich war der Besuch seines Gartens. Die europäischen Partner konnten nicht nur etwas über diesen erfahren, sondern das Gesagte ganzheitlich erleben: durch Sehen, Riechen, Schmecken und Anfassen der Pflanzen in seinem Garten – ein perfekter Lernort!

Ein Podcast der Nationalen Agentur Bildung für Europa nimmt das Thema GreenErasmus im Förderprogramm Erasmus+ in den Fokus. Drei Projektträger sprechen über Nachhaltigkeit in der Berufs- und Erwachsenenwelt in Europa. Nicolas Bosch nimmt dort unter anderem Bezug zu Bogdan´s Garten – reinhören lohnt sich!

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Einführung in die biodynamische Landwirtschaft in der Theorie und Praxis

Am zweiten MAREA- Tag ging das Training mit einem Vortrag von Jasminka Ilicic über biodynamische Landwirtschaft weiter. Jasminka und Zeljko Ilicic gründeten die Farm Biomara und lassen dadurch Stück für Stück ihr Stadtleben hinter sich. Jasminka berichtete zunächst über ihre Suche nach einer geeigneten Farm sowie der passenden landwirtschaftlichen Umsetzung. Dabei stand für die beiden eine unkonventionelle, biodynamische Lösung an erster Stelle. Biodynamisch heißt in diesem Fall, dass in der Landwirtschaft zum Beispiel das Kompostieren von hoher Relevanz ist. Insbesondere dem Zustand des Bodens wird eine wichtige Bedeutung zugeschrieben. Ein starkes Statement aus dem Vortrag von Jasminka war die salutogenetische Annahme, dass nicht die Heilung einer Krankheit das Problem löst, sondern das Herstellen von Gesundheit. Dies geht mit der Frage einher, in welchen Bereichen wir noch nicht mit der Natur zusammenarbeiten. Lokalen Ressourcen wird dabei eine große Rolle zu geschrieben.

In der zweiten Session des Tages fuhren die Partner des MAREA- Projektes gemeinsam mit Jasminka und Zeljko zur deren Farm. Sie wurden mit Fragen gelöchert, zeigten ihre Arbeit, die Organisation und Struktur des Gartens und nahmen ihren Besuch mit zu den Pflanzen und dem aktuellen Anbau. Die Teilnehmenden kamen in den Geschmack biodynamischer Karotten und durften im Anschluss daran beim Arbeiten auf der Farm helfen: Einige Kisten mit Knoblauchknollen warteten darauf für die Anpflanzung vorbereitet zu werden. Im Licht des Sonnenunterganges konnten die Teilnehmenden selbst Erleben (und Riechen) wie sich eine mögliche Aufgabe auf einer biodynamischen Farm anfühlt.

Auf dem Rückweg statteten die Projektpartner Lucie Evers einen Besuch ab. Bei einem gemütlichen Empfang in ihrem Garten mit lokalem Käse und Rohkost nahm sie die Projektpartner mit auf einen gedanklichen Rundgang durch ihren Garten. Lucies Idee ist es einen Ort zu schaffen, an dem Menschen in Zelten übernachten und während ihrer Zeit dort Nachhaltigkeit (er)leben können, indem sie beispielsweise auf der Biomara-Farm mithelfen.

Nachhaltige Konstruktion und Landwirtschaft

Nachdem die Teilnehmenden in den letzten Tagen viele lokale Lernorte erleben durften, begann der Mittwoch am Vormittag mit einer Session des belgischen Partners KU Leuven. Nach einer Einführung von Stijn Verdoodt in das Thema nachhaltige Gebäude mit Bezug zu den Nachhaltigkeitszielen der vereinten Nationen, erhielten die Teilnehmenden durch Leontien Bielen einen Einblick in resiliente und nachhaltige Konstruktionen. Ein Resümee der Vorträge war, dass altes und neues Wissen bezüglich Architektur zusammengebracht werden sollte, um nachhaltig und widerstandsfähig zu bauen. Außerdem wurden die verschiedenen Strategien der Materialeffizienz ersichtlich gemacht, wie zum Beispiel intensivere Nutzung und Wiederverwendung von Materialien. Leontien gab zudem einen Einblick in die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf Gebäude und wie diesen entgegengenwirkt werden kann. Durch das Thema der nachhaltigen Konstruktion wurde auch der Bereich der ländlichen und urbanen Verknüpfung beim MAREA- Training in Kroatien miteinbezogen.

Ebenfalls Teil der belgischen Delegation war Andrei, ein Medienstudent an der KU Leuven. Gemeinsam mit ihm wurde gebrainstormt, Ideen gesammelt und diskutiert, um eine passende inhaltliche und visuelle Gestaltung des Intros und des Outros für die Videoreihe „Neverending stories“ zu erhalten. Mit den gesammelten Erkenntnissen kreierte Andrei einen Erstaufschlag, den er den Projektverantwortlichen im Meeting präsentierte. Um einen Vorgeschmack zu bekommen, wie so ein Videoformat aussehen kann, wurde zudem das Video von Bogdans Garten den Teilnehmenden vorgespielt. Das anschließende Feedback sowohl der Teilnehmenden als auch explizit von Andrei war für die weiteren Videoproduktionen dabei sehr hilfreich.

Farm und Garten Design

Tag vier vom MAREA- Projekt in Kroatien startete mit einer Worksession mit dem italienischen Partner VeraTerra. Thematisch wurden die Teilnehmenden von Pietro Isolan in die Kombination von Landwirtschaft und Tourismus eingeführt, den ländlichen Tourismus. Es folgte eine praktische Session mit Elenia Penna, um das eigene ländliche Talent zu entdecken. In Einzel- und Partnerarbeit wurden die eigenen Talente in mögliche Aktivitäten im Rahmen ländlichen Tourismus übertragen, wodurch die Teilnehmenden spielerisch Elemente des Curriculums erprobten.

Es folgte ein Vortrag von Elia Renzi über den Prozess von Landschaftsarchitektur. Im Anschluss daran hatten die Partner die Möglichkeit gemeinsam mit Dijana Fabjan vom kroatischen Partner an ihrem Garten zu arbeiten. Die Inhalte der ersten drei Sessions half den Teilnehmenden dabei und gab dem Arbeitsteam eine Orientierung. Auf einer großen Landschaftskarte von Dijanas Garten wurde mit dem erlangtem Hintergrundwissen Ideen gesammelt, gebrainstormt und diskutiert. Viele neue und alte Ideen kamen zusammen, wurden ausgetauscht und konkretisiert. Am Nachmittag besuchten einige Bewohner:innen des Faro Centers die MAREA- Partner. Diese stellten die gesammelten Ergebnisse und Ideen zu Dijanas Garten vor, um in einen Austausch zu kommen. Ziel war es die konkrete Idee des Gartens auf dem Gelände transparent zu machen und die lokale in den Prozess miteinzubeziehen. Das Potential dieses Ortes wurde erkannt und eine gemeinsame Ausgestaltung der Ideen mit der lokalen Gemeinschaft ist von nun an angedacht.

Nachhaltige Konstruktion und Architektur

In der letzten Session des MAREA- Trainings wurde das Thema der nachhaltigen Konstruktion noch einmal aufgegriffen. Gemeinsam mit der lokalen Architektin Jasma Zmajic besichtigten die Teilnehmenden traditionell und aus natürlichen Materialien gebaute Häuser. Neben dem Nachhaltigkeitsaspekt wurde vor allem die Widerstandsfähigkeit von traditionellen Bauten thematisiert. Ersichtlich wurde dies insbesondere durch den Besuch des Epizentrums des letztjährigen schweren Erdbebens in der Region um Zagreb. Während viele „moderne“ Bauten große Schäden davontrugen oder gar einstürzten, wiesen viele traditionelle Bauten wenige bis keine Schäden auf.

Neuer Schwung für die finale Projektphase

Das Training in Kroatien brachte noch einmal neuen Schwung in das MAREA-Projekt. Fast eineinhalb Jahre sind nach dem letzten physischen Treffen vergangen. Umso schöner und wichtiger war deshalb das Training. Durch die gute Verknüpfung von inhaltlicher Arbeit, praktischer Umsetzung und Besichtigung potenzieller Lernorte konnten viele Fragen geklärt und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Diesen Schwung haben die Projektverantwortlichen mit in das anschließende Projektmeeting genommen und werden diesen auch in die finale Projektphase übertragen. Die nächsten Projektaktivitäten werden im März in Italien stattfinden, hoffentlich ebenfalls wieder in Präsenz.