Kaffee-Camp in Brasilien

20°15'18 ''S, 47°28'41''W : Wir sind in Brasilien, mitten in der grünen Lunge der Welt für das Umami Kaffee Camp als Teil des C.O.F.F.E.E.-Projektes in Kooperation mit dem Starkmacher e.V. und sechs weiteren Partnerorganisationen, jede aus einem anderen Land. 26 junge Leute aus Italien, Deutschland, Belgien, Spanien, Uruguay und Argentinien sind für 12 Tage hier engagiert.
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27.09.2016 / 19 Uhr
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Starkmacher Fotos: Mathias Kaps

Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Bildungs- und Arbeitschancen innerhalb der Kaffeeindustrie. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf sozialpolitisch engagierten Trägern und Initiativen wie etwa die "Fazenda da Esperanza", die ein Bildungs- und Rehabilitationsprogramm für suchtkranke Jugendliche ins Leben gerufen hat und weltweit ausbaut.

In Pedregulho, einer Region in Ribeirão Preto, hat das Unternehmen "O'Coffee", eine große Kaffeeplantage seinen Sitz. Trotz der beachtlichen Größe und großen Mengen, die hier an Kaffee produziert werden, liefert das Unternehmen eine außergewöhnlich hohe Qualität dank ständiger Innovationen und Forschungen, die Einfluss auf die Produktqualtät haben.

Die besondere technische Ausstattung (hier wird die sonst übliche Handlese der Kaffeekirschen mit einer Maschine durchgeführt und erleichtert so die Arbeit enorm) sowie auch die „Zweitverwertung“ von Kaffeebohnen, die im Laufe der Saison abfallen und zwischendurch bereits gesammelt, verarbeitet und von der einheimischen Bevölkerung konsumiert werden, waren heiß diskutiertes Gesprächsthema.

Im zweiten Teil der Schulung geht es dann in den Süden Brasiliens, wo u.a. der Partner Fazenda da Esperanca Gastgeber ist. Hier ging es neben der Kaffee-, vor allem um die Lebensqualität. Die Arbeit auf den Kaffeeplantagen hilft hier jungen Suchtkranken, wieder in die Gesellschaft hineinzufinden und nach einer Zeit ohne Drogen ein normales Leben mit einem geordneten Arbeitsrhythmus zu führen.

Die Lerneinheiten waren außerordentlich vielfältig und jeweils von professionellen Trainern vermittelt: Neben den praktischen Einheiten zum Kaffeeanbau ging es im zweiten Teil auch um die Unterscheidung der verschiedenen Sorten (Canephora, Arabica, Excelsa und Liberica). Die Teilnehmer lernten einiges über die möglichen Beeinträchtigung des sogenannten „Grünen Kaffees“ (wie etwa schwarze, fermentierte, wurmzerfressene oder fehlgeformte Bohnen), erfuhren viel über den Zusammenhang von Klima, Höhe, Pflege der Kaffeepflanzen und der Qualität des fertigen Kaffees sowie über Verarbeitungsprozesse wie den der Entkoffeinierung.

Ein Teilnehmer fasste am Ende dieser Einheit eine wichtige Erkenntnis und Lernerfahrung so zusammen: „Specialty Coffee zu produzieren zwingt die Anbauer und Verarbeiter dazu, auf viele Kleinigkeiten zu achten, sich in allen Phasen der Kaffeekette mit höchster Aufmerksamkeit zu engagieren. Es führt dazu, dass Mensch und Natur ganz neu in den Mittelpunkt gerückt werden!“

Auch die Fähigkeiten des Kaffeetestens wurden ausführlich geschult: Sensory skills nennt man diese Fähigkeiten.

Ausflüge in die beeindruckende umgebende Natur gehörten ebenso zum Programm und machten die Bedeutung einer gemeinsamen LEBENS-Schule deutlich. Es gab Gelegenheit zum Austausch und Gespräch und intensive Beziehungen wuchsen sowohl unter den Teilnehmern als auch mit den Bewohnern der Fazenda.

Auch Andrej Godina, verantwortlich für die fachlichen Schulungen des Mit-Organisators „Umami Area“ zog ebenfalls am Ende zufrieden Bilanz: „Das Besondere an diesem Camp war, dass die Teilnehmer nicht nur die verschiedenen Phasen der Kaffeeproduktions-Kette kennengelernt haben, sondern auch echte Beziehungen, Freundschaften und ein wertvoller kultureller Austausch gewachsen sind. Hier konnten sich Kaffeeexperten, Kaffeeproduzenten und Menschen, die sonst am Rande der brasilianischen Gesellschaft leben, auf Augenhöhe begegnen und voneinander lernen.“