Brücken bauen im Kakao-Markt

Vier Mitglieder des Starkmacher e.V. waren im März 2019 im Rahmen des Projekts „Creative Cacao“ in Bolivien unterwegs. Es ging darum, Status und Entwicklungsmöglichkeiten von Produktion und Vertrieb von sogenanntem „wilden Kakao“ aus Camiaco und Villa Alba in der Region Beni zu eruieren, Regionen, die für ihre hohe Qualität des Kakao bekannt sind.
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29.04.2019 / 17 Uhr
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Starkmacher, Fotos: Christian Röser

Einblick in Leben und Arbeiten der indigenen Bevölkerung

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Bolivien, Brasilien, Italien und Kolumbien setzten sich die Projektteilnehmer mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in den weitestgehend von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfern entlang des Flusses Mamoré auseinander und man suchte nach Möglichkeiten der Kooperation und der Förderung und Unterstützung im Bildungs- und Schulungsbereich sowie auf der Ebene von wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Ziel ist es, über den Aufbau von Netzwerken zwischen den Partnerländern, den Markt für die bisher zu extrem billigen Preisen abgegebenen Kakaobohnen, vor allem in Europa, für die kleinen Farmleute zu erschließen.

Daran hängt auch die Entwicklung im Bereich der sanitären Versorgung, der allgemeinen Mobilität sowie der Zugang zu Bildung vor allem für die Jugend.

Reisen mit Einbaum

Der bolivianische Partner, die Fundación Unisol führte die Gäste ein in die Ursprünge der indigenen Kultur in der Andenregion Boliviens. Man besuchte gemeinsam die Ruinen von Samaipata, entdeckte und erlebte die klimatischen Besonderheiten der Region und tauchte ein in die allgegenwärtige Bedeutung des Kakaos unter anderem als natürliches Zahlungs- und Tauschmittel.

Danach ging es für vier Tage mitten hinein in das verwzeigte Flusssystem des Mamoré-Flusses. Aufgrund der Regenzeit waren keine Landwege befahrbar, so dass die Teilnehmer mit dem Einbaum anreisen mussten. Nach 17 Stunden Reise zu Land und zu Wasser erreichte die Gruppe das Dorf Camiaco, in dem die Menschen von Fischfang, Holzeinschlag, Ackerbau mit Viehzucht und der Ernte und Aufbereitung des Kakaos leben. Die Projektteilnehmer konnten bei der z.T. sehr aufwändigen und anstrengenden Ernte der bis zu 15m hohen wilden Kakaobäumen dabei sein.

Schulung in der Kakaoverarbeitung

Eine Schulung des mitgereisten italienischen Kakaoexperten Andrea Onelli beleuchtete besonders Aspekte der Hygiene und Fermentation sowie Trocknung des Kakaos, um die Qualität der Bohnen bekommen zu können, die aufgrund der Genetik und der besonderen Natürlichkeit der Anbaumethode möglich ist.

In den Gesprächen und im Austausch mit der lokalen Bevölkerung ging es dann darum, zu erörtern, wie die europäischen Partner die lokalen Gruppen der Kakaosammler unterstützen können, damit ihre Produkte auf der internationalen Kakaomesse in Amsterdam präsentiert werden können.

Auch lokale Vertreter der Politik sagten dafür ihre Unterstützung zu.

Anbau von Kakao-Kulturen und Bildung für die Kleinsten

War es in Camiaco vor allem die Verarbeitung des gesammelten wilden Kakaos, ging es in Villa Alba um den gezielten Anbau von Kakao. Hier hat die Provinzregierung die Zusage gemacht, die Kakaosetzlinge sowie die Setzlinge für Nutzhölzer kostenlos ins Projekt einzubringen. Ziel ist die Etablierung neuer Kakaoplantagen im Agroforstsystem, das heißt die Kakaobäume stehen zusammen mit Feldfrüchten sowie Nutzholzbäumen, die gleichzeitig für die nötige Beschattung sorgen.

Letzte Etappe der Reise war dann ein Besuch eines Kindergartens, der in Trägerschaft des Partners Fundación Unisol steht. Eine Einrichtung mit 150 Kindern, der Modell gestanden hat für inzwischen 10 Kindergärten in der Region. Zur Finanzierung haben die Initiatoren des Sozialprojekts eine kleine Schokoladenmanufaktur eingerichtet.