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Klettern als Integrationsprojekt

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01.01.1970 / 01 Uhr
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"Einheimische" aus vielen Nationen

Einheimische und Menschen mit Fluchthintergrund zusammenbringen - das war erklärtes Ziel des gemeinsamen Klettertags im Rahmen des Projektes "Sports4peace". Am Ende entpuppten sich aber auch die Einheimischen zumindest als "Zugereiste" und waren aus mindestens so vielen Nationen wie die Teilnehmer aus der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft.

Ein Tag im Kletterpark: Einen schwierigen Kletteraufstieg mit Hilfe und Unterstützung anderer bewältigen, einander Sicherheit geben, Vertrauen schenken und vor allem: viel Lachen und das Miteinander genießen. Die 25 Teilnehmer aus 11 verschiedenen Nationen kamen auf Einladung eines kleinen Teams, das an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg zusammen studiert. Der Brasilianer Kiko Sebok ist vollauf zufrieden mit der positiven Resonanz:

"Auch wenn wir uns großteils nicht kannten, war schnell eine Basis des Vertrauens und der gegenseitigen Wertschätzung vorhanden - fürs Klettern eine wichtige Voraussetzung! Wir haben viel gelacht, kamen aber in den Pausen auch über tiefe und wesentliche Fragen des Lebens ins Gespräch."

Gemeinsam kochen, essen und Sport treiben

Dem Klettertag waren mehrere Begegnungen in der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft der "Hammonds Barracks" vorausgegangen, darunter auch ein Nachmittag, an dem die jungen Leute zusammen gekocht und miteinander gegessen haben.

Mehr als detaillierte Beschreibungen sagen wohl die Echos einiger Teilnehmer:

Sophie, deutsche Teilnehmerin:

"Bei meinem ersten Besuch, unserer ersten Begegnung in der Flüchtlingsunterkunft hatte ich schon einige Vorbehalte: Ich kannte niemanden, der Ort, an dem wir uns getroffen haben, war nicht sehr einladend, ich wusste nicht, wer oder was da auf mich zukam.

Heute beim gemeinsamen Klettern war das schon ganz anders: Einige kannte ich, der Ort war toll, das gemeinsame Klettern hat motiviert und großen Spaß gemacht. Danke für den tollen gemeinsamen Tag!"


Ahmed, ein Geflüchteter:

"Ich weiß, dass Ihr viel hört und lest über die Situation von Geflüchteten. Die Kulturen, die Lebenserfahrungen, die jeder mitbringt, sind sehr unterschiedlich! Ich war am Anfang sehr allein, hab mich mit ein bisschen Englisch und ein paar Brocken Deutsch durchgeschlagen. Der Tag mit Euch, als Ihr zu uns gekommen seid, um mit uns gemeinsam zu kochen, zu essen war sehr sehr gut. Danke Euch!"


Eine der deutschen Mitorganisatorinnen:

"Es war schon bei der Vorbereitung beeindruckend, auf wieviel Großzügigkeit und guten Willen wir gestoßen sind. Der Bäcker hat uns das Brot umsonst mitgegeben, die Geschäfte, die wir um Lebensmittel aus den Vortagen gebeten haben, haben uns frei aus dem frischen Sortiment aussuchen lassen. Jeder, der in diesen Tagen dabei war, wollte sein Bestes geben. Wir lesen viele schlechte Nachrichten über die Flüchtlingskrise, aber wir haben tolle Dinge miteinander erlebt - es gibt sie, die guten Nachrichten, vergessen wir das nicht!"


Rashid, ein Geflüchteter:

"Der Punkt ist: Wir waren hier nicht zusammen als die Einheimischen und die Geflüchteten sondern einfach als Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Viele Menschen hier haben Angst vor uns und auch wir haben Angst! Wir wissen sehr wohl, dass wir beobachtet werden, wir müssen einen guten Eindruck machen, müssen uns bewähren. Wir wollen uns hier integrieren, aber wir brauchen Eure Hilfe! Das war heute super – Danke Euch!"