BEST - Boosting Environmental and Social Topics

Das Projekt BEST zielt darauf ab, in 2 Jahren, beginnend im November 2020, ein Qualifizierungsprogramm zu entwickeln, das das Potenzial von Mitarbeitenden in Unternehmen aktiviert, um den sozial ökologischen Wandel von innen heraus voranzubringen und zu gestalten. Dafür arbeiten 4 Partnereinrichtungen aus den Ländern Portugal, Italien, Deutschland und Belgien zusammen, um direkt einen europäischen Ansatz für ein an sich globales Thema zu entwickeln.
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14.01.2022 / 13 Uhr
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Starkmacher

Unterschiedliche Perspektiven

Dabei bringen die Einrichtungen verschiedene Blickwinkel ein. Die AMU in Portugal ist eine NGO die sich unter anderem darauf spezialisiert hat, Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zurück zu bringen. Zusammen mit dem Starkmacher e.V., der z.B. Bildungsprogramme entwickelt, um jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern, bringen sie die Perspektive der NGOs und deren sozial – ökologischen Ansatz ein. AIPEK aus Italien hingegen ist ein Unternehmensverband dessen Mitglieder der gemeinsame Wunsch eines sozial gerechten und ökologisch ausgeglichenen Wirtschaftens verbindet. Die KU Leuven aus Belgien ist der Partner, der neben seiner wissenschaftlichen Expertise, enge Verbindungen zu Unternehmen vor allem aus der Baubranche hat, die sich ökologisch neu ausrichten wollen und sie dabei unterstützt. Eine weitere wichtige Kompetenz ist die Etablierung von Start Ups, die auf Basis sozialen Unternehmendentums neue Ideen für eine sozial ökologische Wirtschaft unternehmerisch umsetzen.

Das erste internationale Treffen der Partner

Zum ersten Mal direkt zusammenkommen konnten die Partner im ersten internationalen Training C1 des Projekts. Die Teilnehmenden der Partnereinrichtungen waren zu Besuch bei der KU Leuven in Ghent und durften das in den letzten Jahren aufgebaute „Nachhaltigkeitsbiotop“ des Partners kennenlernen. Zum Einstieg ging es deshalb direkt um die Frage, welche Rolle die Unternehmen z.B. in den aktuellen Debatten um die Anpassungen und die Bekämpfung des Klimawandels spielen. In seinem Vortrag „Ecosystem Edge“ basierend auf der gleichnamigen Veröffentlichung von Williamson, Peter J., De Meyer, A. (2020) zeigte Alexis Versele, Dozent an der KU Leuven für sozio-ökologisches Bauen, am Beispiel des aufgebauten Ökosystems von Unternehmen, Kommunen, Verbänden, Hochschulen und Zivilgesellschaft auf, wie sie erfolgreich die Herausforderungen im Bereich des Wohnungsbaus und des sozialen Wohnens, durch den sozio-ökologischen Ansatz angenommen und zu innovativen, nachhaltigen und vor allem ökonomisch machbaren Lösungen geführt haben. Vertieft wurde die theoretische Hinführung durch die Vorstellung des Unternehmens Domus Mundi, das beispielhaft für eine Unternehmensform steht, die den sozio-ökologischen Wandel voranbringt.

Alternative Wirtschaftsmodelle

Ausgehend von den Unternehmen widmeten sich die Teilnehmenden beispielhaften Wirtschaftsmodellen, die einen Rahmen für den sozio-ökologischen Wandel schaffen. So kamen Karla Schimmel und Thomas Calis zu Besuch und gaben eine generelle Einführung in die Gemeinwohl-Ökonomie, deren Entwicklung, die Gemeinwohl-Ökonomie-Matrix und die Form der Berichterstattung. Sie vertreten die Gemeinwohl-Ökonomie Belgien. Den europäischen Blick brachte Marta Avesani (ECG – Economy for the Common Good) der Gemeinwohlökonomie Italien ein, indem sie deren Modell zur Weiterbildung/Ausbildung zum/zur Gemeinwohl-Ökonomie-Berater/in vorstellte. Ein wichtiger Impuls, da es das Projekt BEST zum Ziel hat einen Ausbildungskurs für Nachhaltigkeit von Mitarbeitenden in Unternehmen zu entwickeln.

In diesem Kontext stellten die Vertreter:innen des Partners AMU den Ansatz der „Wirtschaft in Gemeinschaft - WiG“ vor. Ebenfalls ein Wirtschaftsmodell, das den Menschen und sein Wohlergehen ins Zentrum der wirtschaftlichen Aktivitäten stellt. Als Referent stellte Professor Giuseppe Argiola von der Universität Sophia in Incisa Valdarno (Toskana) seine Erfahrungen im Bereich des Sozialen Managements in Unternehmen auf Basis der WiG vor und zog Parallelen zur Gemeinwohl-Ökonomie. Zur Sprache kam die neue weltweite Bewegung der „Economy of Francesco“, ein Aufruf des aktuellen Papsts Franziskus für eine menschliche und Schöpfung bewahrende Wirtschaftsweise, bei der beide vorgestellten Ansätze inspirierend aktiv sind.

SDG´s und Unternehmen

Einen ersten Pilotworkshop zu den SDGs und dem dahinterliegenden Konzept als Vorstufe des zu entwickelnden Curriculums stellte der Starkmacher e.V. vor, indem er die Partner direkt zu Teilnehmenden einer verkürzten Version machte. Dabei wurde die digitale Bildungsmethode „Padlet“ und „Action Bound“ vorgestellt und durchgespielt. Entscheidend war jedoch die Fragestellung, wie das Projekt BEST einen Beitrag zur Implementierung der SDG´s, in diesem Fall in den Unternehmen, leisten kann. Deutlich wurde diese Fragestellung dank eines Beitrages von Muriel Sacré, die im internationalen Bauunternehmen BESIX Group zuständig für das Thema Nachhaltigkeit ist. In diesem Zusammenhang interessant war der Besuch in der Nachhaltigkeitsabteilung des Partners KU Leuven, die bereits seit mehr als 10 Jahren das Thema innerhalb der Universität koordiniert und voranbringt. Es wurde klar, wie mühsam es ist, alle Mitarbeitenden für das Thema zu sensibilisieren und zum Mitmachen zu animieren. Positive vorgestellte Beispiele machen jedoch Mut und haben konkrete Wege gezeigt, wie die Transformation gelingen kann.

Wirkmessung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Unternehmen

Ein wichtiges Element rund um das Thema Nachhaltigkeit in Unternehmen ist die Frage der Messung der Wirkung. Dies ist die spezifische Aufgabe des Partners KU Leuven im Kontext des Projekts BEST, herauszufinden welche praktikablen Lösungen zur Wirkmessung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Unternehmen gibt. Dazu haben Alexis Versele und Prof. Dr. Ingrid Molderez (beide KU Leuven) den Partnern das Thema Social Impact und die Formen der Berichterstattung, die bisher existieren, nähergebracht. Das Training wurde durch Caroline Godts abgerundet, indem sie am Beispiel der Social Innovation Factory und der Berichterstattung nach den Gemeinwohlbilanz Prinzipien aufzeigte, wie so eine Messung im Unternehmen aussehen kann.

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