Turnaround money

Turnaround money ist ein partizipatives Programm zur Beschleunigung der Umsetzung von konsequentem Umweltschutz durch nachhaltige Finanzierung in den Regionen Europas.
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09.06.2022 / 15 Uhr
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Starkmacher

Im Rahmen des durch das EURENI Programm des Bundesministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz geförderten Projekts www.turnaroundmoney.net fand der erste internationale Partnerbesuch statt. Den Auftakt machten Markus Duscha und Christian Röser der Partnereinrichtungen Starkmacher e.V. und Fair Finance Institute aus Deutschland, die Peter und Dijana Fabjan sowie Prof. Dr. Sandra Kantar von den Einrichtungen "Wirtschaft in Gemeinschaft – UEZ“ und des College of Agriculture Križevci vor Ort in Kroatien besuchten.

Lokale Finanzströme lenken

Turnaround money lenkt lokale Finanzströme um, um ökologisch-soziale Wirkung zu entfalten. Dies geschieht durch Bildung, Motivation und vor allem auch Vernetzung. Genau dieser Punkt war der Schwerpunkt des Besuchs. Dazu gehörte ein vertieftes Kennenlernen der Einrichtung UEZ, die über Križevci hinaus in ganz Kroatien die Wirtschaftsform der Wirtschaft in Gemeinschaft vertritt und fördert, sowie zugleich europäisch und weltweit sehr gut vernetzt ist. Darüber hinaus waren die deutschen Partner auch zu Gast bei ihrem lokalen Projektpartner des College of Agriculture Križevci. Dort wurden sie zusammen mit der Kollegin Prof. Dr. Sandra Kantar, die das Projekt operativ begleitet, von der Dekanin Dr. Marcela Andreata-Koren empfangen. Die Hochschule forscht und lehrt vor allem im Bereich der Landwirtschaft, der Entwicklung des ländlichen Raums sowie der Agrarökonomie. Im Gespräch wurde deutlich wie gerade in diesen Bereichen der Einsatz von ökologischen Methoden Ressourcen einsparen und damit zur Entwicklung der Strukturen beitragen kann. Der ländliche Raum Kroatiens braucht dringend Entwicklung und Perspektiven, gerade für junge Leute. Bisher leidet er sehr stark unter der Abwanderung ins europäische Ausland. Die Innovationskraft und Gestaltungsaktivitäten der nachfolgenden Generation werden gerade auf dem Land dringend gebraucht. Nachhaltige Landwirtschaft in Kombination mit neuen digitalen Möglichkeiten der Vernetzung sind ein Baustein für eine nachhaltige sozial-ökologische Zukunft. Mit der Hochschule wurden erste Ideen für Fonds für den Kauf von Boden für ökologische Landwirtschaft angesprochen.

Austausch von Ideen in Krizevci

Eine sozial-ökologische Zukunft hat auch die Stadt Križevci selbst fest als Ziel. Bei einem Besuch bei Bürgermeister Mario Rajn wurden die aktuellen Aktivitäten der Stadt in diesem Bereich vorgestellt. So wurde bereits die zweite kommunale Solaranlage mit Bürgerbeteiligung realisiert und aus dieser Erfahrung heraus entstand das Initiativbüro Klik, eine Servicestelle, die allen Bürger:innen Beratung rund um Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Bürgerbeteiligung bietet. Als großes Zukunftsprojekt steht der Bau eines neuen Stadtviertels an. Wenn es nach dem Bürgermeister geht, ein durch und durch ökologisch soziales Projekt, das alle Ideen für nachhaltiges Bauen, Wohnen und Zusammenleben verbindet. Im Laufe des Gesprächs kam der Impuls. ein lokales “Sustainable Finance Büro“ bei UEZ anzusiedeln, da hier dank „turnaround money“ die Kompetenzen angesiedelt sind. UEZ kann somit die Angebotspalette von Klik erweitern. Dieses kann ganz im Sinne des Projekts für die entsprechende Einbeziehung der Finanzströme sorgen, diese erweitern, lenken und auch finanzielle Ressourcen im Netzwerk finden.

Soziale Fragen & Entwicklungen

Seit der Bischofssitz der griechisch-orthodoxen Kirche von Zagreb wieder nach Križevci verlegt wurde, spielt die Kirche ebenfalls eine neue Rolle in den lokalen Entwicklungen. Da der Bischofssitz ein Gebiet von der Ukraine bis Mazedonien umfasst, sind die Erkenntnisse und Erfahrungen aus Križevci jedoch breit in die Fläche skalierbar. Dies wurde bei einem Treffen mit Bischof Milan Stipić deutlich. In seiner Verantwortung sind neben der Kathedrale in Križevci eine hohe Zahl an Gebäuden, die auf erneuerbare Energien umgestellt werden müssen. Die Energiekosten sind dabei immer auch eine soziale Frage und das Einsparen von Energie somit eine Chance für soziale Entwicklungen.

Impulse in Zagreb

Der zweite Tag der Reise führte die Besucher nach Zagreb. Hier wurden die enorme Tatkraft und Energie sichtbar, die eine neue, digital und vernetzt denkendende Generation in Handeln umsetzt. Goran Jeras, Geschäftsführer der „Coop for ethical banking“ und sein Team gründen gerade eine europäische ethische Bank. Ihre Idee setzt bei der Rolle von Banken an, die sie wieder aus ihrer Sicht am Ursprung, der Entwicklung der Menschen und des Gemeinwesens orientieren wollen. Sie ergänzen damit die Ideen von „turnaround money“ mit einem sehr konkreten Instrument zur Lenkung von Finanzströmen.

Sustainable Development & Crowdfunding

Abgerundet wurde der Besuch durch das Kennenlernen von Zoran Rajn. Er ist Geschäftsführer des Center for Social Innovation and Sustaniable Development (Cedior). Er hat unter anderem die sehr erfolgreichen Crowdfunding Plattform Croinvest entwickelt, die aufgrund ihrer Vorgehensweise eine Förderquote der auf ihr vorgestellten Projekte von über 70% erreicht.

Über alle Vernetzungsaktivitäten dieser 2 Tage hinweg wurde deutlich, wie gut der Grundgedanke des Projekts unterstützend wirken kann und in die Zeit passt. Das Ziel, das lokale Netzwerk zu stärken und Synergien für mögliche sozial ökologische Initiativen und Finanzen herzustellen, wurde erreicht.